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- (Added by: Tomas Baranauskas)


Petition to the Kaiser
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Guest
Posted 2004-04-14 20:19 (#9792)
Subject: Petition to the Kaiser


Petition der Litthauer vom 11. Mai 1879 [Abschrift im StA. Königsberg,
Rep. 2 II, Nr. 3152, Vol. 2, fol. 20-23]
Allerdurchlauchtigster, Allergroßmächtigster Kaiser. Allergnädigster Kaiser,
König und Herr!
Mit untertaner Demut und littauer Treue, sich tief verneigend, nahen wir uns dem
glorreichen Throne Euer Kaiserlichen, Königlichen Majestät. Eingedenk der
Allerhöchsten Huld, die uns armen Littauern im vorigen Jahre von unserm
allergnädigsten Landesvater durch die überaus gnädige und fürstlich wohlwollende
Aufnahme unserer Deputation widerfahren ist, glauben wir die Versicherung zu
haben, daß auch uns Littauer, die geringsten der Untertanen Sr. Majestät, der
allergnädigste Kaiser und König nicht verachtet. Darum wagen wir es mit
besonders untertänig-kindlichem Vertrauen unser gepreßtes Herz dem teuren
Landesvater auszuschütten.
Schon vom Jahre 1873 ist uns Littauern, zum Teil mit Genehmigung der höchsten
Schulaufsichtsbehörde, unser höchster Schatz, nämlich die littauische Sprache,
aus den Schulen, wenn auch noch nicht ganz vertrieben und ertötet, so doch auf
Grund solcher Bestimmungen zum Aussterben verdammt. Uns Littauern geht es jetzt
wie einst Jeremia auf sein Volk blickend jammerte: Juda liegt jämmerlich, ihre
Tore stehen elend, es stehet kläglich auf dem Lande, und ist zu Jerusalem eine
große Dürre. Die Großen schicken die Kleinen nach Wasser, aber wenn sie zum
Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer wieder. Sie
gehen traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. Jer. 14. 2. 3. Mit
betrübtem Herzen und tränenschwerem Auge bringt das littauische Mütterlein ihr
Lieblingskind zum ersten Male zum Lehrer, als zu einem Brunnen, aus welchem das
Kind das Wasser der geistlichen und weltlichen Weisheit schöpfen soll. Das
schwache, schüchterne Kind bringt sich dazu das Gefäß der lieben Muttersprache,
aber, o Jammer, damit bekommt es nicht zu schöpfen, es wird ihm sofort ein
schweres, fremdes Gefäß in die Hand gedrückt, das es nicht zu handhaben versteht
und folglich auch kein Wasser schöpfen kann. Wenn es aber auch mit der
allergrößten Mühe einen Tropfen erlangt, so kann es sich damit doch nicht
erquicken, viel weniger davon wachsen und zunehmen, sondern je mehr das Kind von
dem fremden Wasser trinkt, desto mehr erstirbt es im Mutterherzen. Darum ist
unter uns Littauern viel Jammerns und Weinens. Auch die Folgen sind schon nicht
zu verkennen; denn durch die Fortnahme der Muttersprache ist es schon in vielen
Stellen gelungen, nicht nur die Liebe zu den Eltern, sondern auch die Liebe zu
Gott nicht nur zu erkälten, sondern sogar aus dem Kinderherzen zu nehmen. Wo
aber die Liebe gegen die Eltern geschwunden, da schwindet sie auch gegen Gott
und nur zu bald auch gegen seinen Gesalbten, den Landesvater und auch gegen das
Vaterland. Diese Liebe und Treue kann auch unter uns Littauern nur dadurch
gepflegt werden und erstarken, wenn unseren Kindern die Grundlagen, worauf jene
ruhen sollen, nämlich die Religionslehre, nur in der Muttersprache erteilt wird.
Die ersten Eindrücke, die das schwache Kind davon bekommt, sind die
heiligsten und nachhaltigsten und dürfen nicht in fremder Sprache gegeben
werden. Diese Eindrücke werden aber im Kinderherzen noch mehr gepflegt und
großgezogen durch den Hausgottesdienst der Familie, der Eltern und der Kinder,
in der Muttersprache. Denn, um zu wissen, welches die Muttersprache jemandes
ist, muß man ihn in seinem Gebetskämmerlein belauschen, wenn er zu seinem Gotte
spricht, weil es bekanntlich nur möglich ist, in der Muttersprache sein Herz
ohne Heuchelei vor Gott auszuschütten. - Muttersprache, Mutterlaut, wie so
lieblich, wie so traut!!
Wir armen bedrängten Littauer wollen ja, daß unsere Kinder im Deutschen
unterrichtet werden sollen, nur die Religionslehre und das Lesen der heiligen
Schrift möchten wir littauisch haben wollen. Wir wollen ja auch die Sprache
unseres teuren Landsvaters, den wir so gern haben und so herzlich lieben,
kennenlernen, deshalb wissen wir auch, daß das Lallen unserer Kinder in der
Muttersprache ihnen nicht genommen wird. Wir wollen gern die Sprache kennen, die
deutsche Helden erzieht, doch den Kern unserer Sprache, der uns durch die Natur
ins Herz gepflanzt ist, wollen wir nicht verlieren. Wir v/ollen gern die Sprache
kennen, die vielen Millionen auf dem Erdenrund bekannt ist, doch wollen wir
nicht vergessen, was auch in den künftigen Zeiten ein Bruder zu dem anderen von
Herzen spricht; denn wird einmal unsere Sprache, die uns die Natur ins Herz
gelegt, vernichtet, so wird es der größten Kunst nicht mehr gelingen, dieselbe
in ihrer ganzen Würde wieder aufzurichten. Wir sind uns aber nicht bewußt, daß
wir verbrochen hätten, weder gegen unsern allgeliebten teuren Landesvater noch
gegen das Vaterland, daß unsere Muttersprache uns zur Strafe aus dem Lande der
Lebendigen vertilgt werden soll. Ohne Eigenruhm, auf Kosten der reinsten
Wahrheit, können wir versichern, daß, wenn einer seinen König liebt, so tut es
der Littauer, wenn einer zur Zeit der Not sein Blut freiwillig für König und
Vaterland vergießt, desto unerschrockener schlägt sein Leben in die Schanze der
Littauer; wenn einer für seinen König betet, desto heißer und ohne alle
Heuchelei tut es der Littauer, seinen Landesvater und sein ganzes Haus dem
Schütze des Allerhöchsten empfehlend.
Darum sind wir Littauer einig geworden, unserem Allergnädigsten, Glorreichsten
Kaiser, Könige und Herrn demütig zu Füßen zu fallen und zu bitten:
1. daß unseren Kindern sowohl in den Schulen als auch im Konfirmandenun
terrichte unsere teuren Religionslehren und das Lesen der heiligen Schrift
vom Anfange der Schulzeit bis zu Ende nur littauisch erteilt werden; denn
nur in dieser Weise kann der Bau des christlichen Glaubens im Herzen
der Kinder, den künftigen Bürgern des Staates, angefangen, befestigt und
vollendet werden.
2. daß der Unterricht des 4. und 5. Hauptstückes von der Heil. Taufe und
dem
Heil. Abendmahle in unseren Schulen obligatorisch eingeführt werde, damit
die Wichtigkeit und der hohe Wert der heiligen Sakramente schon von Kin
desbeinen an unseren Kindern gleichsam in die jungen Herzen eingepfropft
werde, überhaupt in dieser Zeit des radikalsten Unglaubens, damit sie die
Früchte solcher Lehren später im christlichen Wandel und in der Gottes
furcht zeigen.
daß in den Schulen mehr Religion gegeben und der Unterricht darin gründ
licher und wärmer den Kindern erteilt werde; denn die größte Entartungdes
menschlichen Geschlechts entsteht ja in seiner Religionslosigkeit. Wie warm und
fruchtbringend war doch vor etwa 30 Jahren der Religionsunterricht, als die
ganze Ordnung des Heils den Kindern nach dem Katechismus des Joh. Jacob Rambach
erteilt wurde. - Bekämen doch wir Littauer unser Lieblingsbüchlein wieder, wie
froh wären wir da!
4. Damit wir Eltern uns auch selbst überzeugen können, ob unsere Kinder in der
Religionslehre genug befestigt sind, bitten wir, daß es wieder geboten wäre, die
Kinder zu einer Visitation in der Kirche vorzuführen, wie es noch vor einigen
Jahren geschah. Da war die Prüfung im Gotteshause den Eltern, den Kindern und
den frommen Lehrern ein Fest. Bekommen wir Littauer den teuren Schatz unserer
Muttersprache aus der
Hand unseres allergnädigsten Landesvaters wieder in Wort und Schrift,
so
werden wir froher wie bisher einander zurufen können: "Brüder,
fürchtet
Gott, ehret den König!" Gott schütze und erhalte Ew. Kaiserliche Königliche
Majestät zum Heil und
Segen für Volk und Reich.
Ew. Kaiserlichen Königlichen Majestät treue littauische Untertanen

gez.
George Lappat aus Lauknen Kreises Labiau Kirchenrat und Kreisdeputierter
und die übrigen anbei mitfolgenden Unterschriften.
Geschrieben den 11. Mai 1879
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