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Random quote: "Если это история, я предпочитаю о ней читать, а не участвовать в ней." Эдит Пиаф
- (Added by: Tomas Baranauskas)


Foreword of Kurschat's dictionary
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Posted 2004-02-24 15:48 (#1806)
Subject: Foreword of Kurschat's dictionary


Kurschat was the head of the Lithuanian Seminar at Königsberg University, this German/Prussian-Lithuanian dictionary was meant for the training of Lutheran pastors in Prussian-Lithuanian communities. It appeared in two installments, this foreword is in the second installment and takes into account the reactions of scholars to what had already been published. His nephew Alexander Kurschat completed his uncle's work with a Lithuanian-German Grosswörterbuch. The fourth volume appeared not until 1973 (fortunately Alexander Kurschat had saved his material when he fled to Bavaria in 1944).
You can rightly say that the work of the two Kurschats covered about a century and a half.
Lutz Szemkus
Endlich habe ich die Freude, das littauische Wörterbuch, welches ich schon im
Jahre 1848 zuerst in öffentlichen Blättern, sodann aber auch in dem Vorwort u
meiner "Laut- und Tonlehre" angekündigt, wenigstens in seinem deutsch
-littauischen Theile den Freunden der litt. Sprache übergeben zu können. Es
liegt jetzt im Drucke vollendet vor, und ich habe nur noch die Aufgabe, dasselbe
hier kurz in die Öffentlichkeit einzuführen.
Schon vor etwa dreissig Jahren hatte ich an diesem Werke zu arbeiten angefangen
und dasselbe auch bis zum Buchstaben H fortgeführt, als die Arbeit unterbrocheu
wurde. Diese Unterbrechung hatte zum Theil darin ihren Grund, dass ich
mich durch die Umstände genöthigt sah, mich einträglicheren Arbeiten zuzuwenden,
hauptsächlich aber darin, dass mir jede Aussicht mangelte, mein Wörterbuch einst
durch den Druck allgemein nutzbar machen zu können. Die Zahl aber der bereits im
Manuscript vorhandenen zum Drucke nicht gelangten littauischen Wörterbücher
wollte ich nicht vermehren.
Erst im Jahre 1864 begann diese Aussichtslosigkeit durch ein glückliches
Zusammentreffen verschiedener günstiger Umstände zu schwinden. Schon seit
längerer Zeit hatte August Schleicher, der nunmehr vor ein paar Jahren auch für
mich viel zu früh hingeschiedene Heros der Sprachwissenschaft, mir wiederholt
brieflicli das grosse Bedürfniss eines littauisclien Wörterbuchs vorgehalten und
mir die Verpflichtung, ein solches zu schreiben, in's Gewissen geschoben. Die
hiezu erforderliche Beauftragung wollte er mir durch seinen Eiufluss erwirken.
Wo nd wie, das wusste er selbst noch nicht, er sagte aber: "und wenn man mich
damit von einer Thür abweist, so gehe ich zu einer andern." Doch - mir wollte
sich keine Thür öffnen.
Unterdess war aber Professor Dr. Schade nach Königsberg gekommen, sobald
littauische Laute sein Ohr berührten, gewann er das lebhafteste Interesse für
diese Sprache und - wie ich mich dessen wohl rühmen darf, auch für deren
Vertreter an der hiesigen Universität. Derselbe drang nunmehr mit allem ihm
eigenen Eifer in mich, die Arbeit an dem W. - Buch von Neuem aufzunehmen, wie er
sich auch auf das lebhafteste bemühte, die Notwendigkeit davon, dass diese
Arbeit von mir ausgeführt werde, überall geltend zu machen. So kam es, dass der
Oberpräsident dieser Provinz, Herr Dr. Eichmann , schliesslich noch durcli
meinen gütigen Gönner, den damaligen hiesigen Professor, jetzigen
Generalsuperintendenten Dr. Erdmann von der Lage dieser ganzen Angelegenheit
genau Kenntniss gesetzt, nach Einholung officielller Gutachten von Schade und
Schleicher im Verein mit den Mitgliedern des Königl. Provinzial -
Schulkollegiums meine Beauftragung mit der Anfertigung und Herausgabe eines
littauisclien Wörterbuchs nebst Grammatik bei dem damaligen Kultusminister Dr.
v. Mühler beantragte, wo unter wohlwollendster Förderung dieser Angelegenheit
seitens des vortragenden Rathes im Ministerium, des Herrn Geheimen
Oberregierungsraths Dr. Olshausen, der Antrag in erwünschter Weise seine
Erledigung fand.
Allen diesen hier genannten hochverehrten Männern, von denen bereits Mühler und
Schleicher in die Ewigkeit gegangen sind, Eichmann und Olshausen aber sich nicht
mehr in ihren damaligen hohen Stellungen befinden, welche mein Unternehmen so
gütig und so wirksam förderten, fühle ich mich gedrungen, hier meinen innigsten
Dank auszudrücken.
Ganz besondern Dank aber meinem theuern Freunde Dr. Schade, der mir bei meiner
Arbeit aus dem Schatze seines reichen Wissens und aus der Fülle seiner
practischen Erfahrung mit seinem Rath, wo ich dessen irgend bedurfte, gern und
uneigennützig zu Hilfe kam.
Noch einer eigenthümlichen mir zu Theil gewordenen Förderung meines Werkes muss
ich hier rühmend und dankend Erwähnung thun. Die Verlagsbuchhandlung des
Waisenhauses in Halle a/S. unter der kundigen und unverdrossenen Leitung des mit
regem Sinn für die Förderung der Wissenschaft begabten Hrn. Bertram, hatte, von
dem grossen Bedürfniss eines solchen Wörterbuchs unterrichtet , geglaubt, auf
genügenden Absatz rechnen zu dürfen, und demgemäss viele Kosten darauf gewandt,
das Werk - unter Anderm auch durch Beschaffung ganz neuer nur für dasselbe
verwendbarer Schriften - so brauchbar und so gut wie möglich herzustellen. Als
aber noch nach dem Erscheinen der dritten Lieferung der Absatz nicht in dem
gehofften Masse erfolgte und die Deckung des Kostenaufwandes äusserst fraglich
erschien: so liess die Verlagsbuchhandlung den Weiterdruck des Werks einstellen.
Zur Hebung dieser Schwierigkeit hat nun ausser der hohen Munifizenz unsers
eigenen königlich preussischen Cultusministeriums, deren sich die
Verlagshandlung späterhin zu erfreuen hatte, merkwürdigerweise auch die
kaiserlich österreichische Regierung wohlwollendst mitgewirkt. Der damalige
österreichische Cultusminister Hr. J i r o c e k hatte nämlich von meinem Werke
Kenntniss genommen und bewies für dasselbe ein so hohes Interesse, dass er,
nachdem er unsre Verlegenheit wegen der Herstellungskosten erfahren, auf eine
namhafte Zahl von Exemplaren (ich glaube es sind 50) meines Wörterbuchs für die
kaiserlich österreichischen Bibliotheken subscribiren liess. Auch diesen
hochverehrten Herrn bitte ich hiermit den Ausdruck meines gehorsamsten Dankes
gütigst entgegen zu nehmen.
Meine oben erwähnte Beauftragung erfolgte im Jahr 1866, seit welcher
Zeit ich daran rastlos gearbeitet habe und auch noch arbeite. Die
erwähnte Unterbrechung im Druck, welche sich übrigens in Folge dess noch
verlängerte, dass der Setzer des Wörterbuchs Hr. Flade 1870 als Landwehrmann
mit in den Krieg gegangen und ein Ersatz für ihn nicht zu beschaffen war, hat
darauf keinen weiteren Einfluss gehabt, als dass ich, eine Zeit lang der
vielen zeitraubenden und ermüdenden Correcturen enthoben, desto
emsiger am Manuscript weiter schreiben konnte. Wie diese Arbeit
aber nach ihrer Wiederaufnahme, ungeachtet sie schon früher so
weit vorgeschritten gewesen, noch so lange hat dauern können, möge
sich aus dem Umstände erklären, dass eingehendere sprachwissenschaftliche
Beschäftigung überhaupt, namentlich aber tieferes Eindringen in die
Eigenthümlichkeiten meiner Muttersprache mich zu neuen
wissenschaftlichen Auffassungen derselben führten, und mich
schliesslich zur gänzlichen | Umarbeitung des früheren bereits druckfertig
daliegenden Manuscripts nöthigten.; Um alles Uebrige zu übergehen, darf ich
hiebei nur an Eines erinnern, an die spätere Entdeckung der resultativcn
Verbalformen, deren Aufstellung mir die
Reduction der erläuternden Beispiele oft fast auf die Hälfte ermöglichte, und
ohne welche das Werk fast noch einmal so stark hätte werden müssen.
Es ist an mich mehrfach die Frage ergangen, warum ich nicht lieber mit dem für
die Wissenschaft wichtigeren, dem litauisch - deutschen Theile des Wörterbuchs
angefangen habe? Darauf muss ich erwidern:- Es bestimmte mich dazu zunächst das
überwiegende practisehe Interesse für meine in vieler Hinsicht sehr
vernachlässigten Landsleute, die preussischen Littauer. Alle Verwaltungs -und
Gerichtsbehörden Litauens bestehen aus Deutschen, die der litauischen Sprache
gar nicht mächtig sind und sich mit dem Volke - vielleicht mit einzelnen wenigen
Ausnahmefällen - nur durch die oft äusserst zweifelhafte Vermittelung von
Dolmetschern zu verständigen vermögen. Litauens Geistliche sind - neuerdings mit
einigen Ausnahmen - gleichfalls durchweg Deutsche, die das Littauische wohl
erlernt haben, aber meistens nur in geringem Masse. Ein Tadel wegen dieser
mangelhaften Befähigung im Gebrauche der Volkssprache bei den Männern, welche
unter den Litauern zu wirken berufen sind, konnte dieselben nicht treffen, weil
ihnen eins der nothwendigsten Mittel zur Erlernung des Littauischen, ein deutsch
- littauisches Wörterbuch, so gut wie ganz fehlte. Diesem Mangel soll nun dieses
Werk abhelfen. Möge es nur fleissig benützt werden.
Doch ist es fast zu besorgen, dass eine Neigung dazu sich weniger allgemein
finden werde, als es wünschenswert scheint. Wird doch die Meinung vielfach
geltend gemacht, dass die litauische Nation in Preussen als eine kleine,
eroberte und in den deutschen Staat einverleibte, eigentlich kein Recht habe zu
existiren, um den einzelnen Beamten Litauens das Erlernen der Volkssprache zu
ersparen, sollen die preussischen Litauer, deren Zahl man noch immer auf 150,000
rechnet, mit Aufgebung ihrer Nationalität deutsch werden. Vom Standpunkte der
Nützlichkeit und Bequemlichkeit mag eine solche Theorie etwas für sich haben,
aber human wird sie kaum genannt werden können. An die mit solcher gewaltsamen
Umwandlung der Nationalität verbundenen ethischen Schäden scheint dabei wohl gar
nicht gedacht zu werden.
Doch sollte mit dieser meiner Arbeit nicht minder auch der Wissenschaft
ein Dienst geleistet werden. Es will mir nämlich scheinen, als ob die
vergleichende Sprachwissenschaft dann erst ihren Namen in vollem Masse verdiene,
wenn sie in ihrer Thätigkeit sich nicht bloss auf Laute und einzelne Worte
beschränkt, sondern auch Wortverbindungen und Ausdrucksweisen von Gedanken
mit in den Bereich ihrer Untersuchungen zieht. Um solches nun
rücksichtlich der littauischen Sprache der deutschen gegenüber meinerseits nach
Kräften ausführbar zu machen, habe ich das Material dazu möglichst vollständig
zu geben gesucht und darum nicht bloss, wie Herr Joh. Schmidt in seiner
Beurtheilung meines Wörterbuchs von meiner Arbeit behauptet, deutsche
Worte in's Littauische übersetzt, sondern mich durchweg nachzuweisen
bemüht, wie überhaupt deutsch Gedachtes in rein litauischer Ausdrucksweise
wiederzugeben sei oder eigentlich wiedergegeben. werde, ohne
dabei Germaniismen zu begehen.
Ich kann dies kurze Vorwort nicht schliessen, ohne zuvor auch allen denen ein
Wort dankbarer Erwiderung auszusprechen, welche sich die Mühe gemacht, mein
Wörterbuch und zwar meist schon bald nachdem davon die drei ersten Lieferungen
erschienen waren, in öffentlichen Blättern anzuzeigen und ihrer Beurtheilung
theils mit, theils ohne Nennung ihres Namens - zu unterwerfen. So viel mir
bekannt geworden, erschienen solche Anzeigen anonym: 1) in der hiesigen
"Hartungschen Zeitung" von 1870 Nr. 71 Beilage, 2) in der "Memeler Zeitung" von
1870 Nr. 68, 3) in den "wissenschaftlichen Monatsblätteru von Hopf und Schade"
vom Jahre 1873 Nr. 1. - Mit Nennung des Namens erschien 1) in
der "Zeitschrift für deutsche Philologie" Bd. II. S. 378 eine Beurtheilung
meines Wörterbuchs von G. H. F. Nesselmann, 2) in der "Altpreussischen
Monatsschrift" vom Jahre 1870 Seite 160 ff. eine Besprechung von J acoby-Memel,
3) im "Evangelischen Gemeindeblatt" von 1870 Nr. 9) eine kürzere Anzeige von
eben demselben und schliesslich 4) in den ,, Beiträgen zur vergleichenden
Sprachforschung" von Kuhn eine etwas ausführlichere Besprechung von Job.
Schmidt. Es hat in mir das wohlthuendste Gefühl hervorgerufen, in allen diesen
von sachkundigen Männern gefertigten längeren oder kürzeren Beurtheiluugen
meiner Arbeit ohne Ausnahme, am uneingeschränktesten aber in den
"wissenschaftlichen Mouatsblättcrn", die wohlwollendste Anerkennung des treuen
Ernstes meiner Bemühungen und der Brauchbarkeit meiner Arbeit ausgedrückt zu
finden, nur auf ein paar freundliche, wohlgemeinte Ausstellungen werde ich hier
etwas zu erwidern haben.
Hr. Nesselmann meint, ich wäre in meinem Streben nach absoluter Vollständigkeit
hin und wieder zu weitschweifig gewesen. Wenngleich ich nun zwar einerseits
glaube, dass beim wirklichen, practischen Gebrauche meines Wörterbuchs die von
mir angestrebte Ausführlichkeit nicht gerade als ein Missstand empfunden werden
wird, so habe ich doch, besonders mit Berücksichtigung des daneben gemachten
Hinweises auf den durch den grösseren Umfang bedingten höheren Kostenpreis des
Werkes, woran ich auch bereits verlegerischerseits erinnert worden war, mich im
weitem Verlaufe der Arbeit bestimmt gefühlt, besonders da, wo ich auf früher
Gesagtes Beziehung nehmen konnte, in meinen Ausführungen mich mehr zu
beschränken. Dadurch hat das Werk, worauf ich schon von Freunden aufmerksam
gemacht worden bin, nun zwar, nicht gerade zu seinem Vortheil, an
Gleichmässigkcit eingebüsst, gleichwohl wird dessen Brauchbarkeit darunter
hoffentlich nicht gelitten haben. Nur werden die späteren kürzer behandelten
Artikel, besonders bei Verbalzusammensetzungen, öfter ein Zurückgehen auf
vorangehende verwandte, ausführlichere Artikel nöthig machen. So werden z. B.
bei den Verben "verdrängen", "vordringen", "zubringen", "zufahren" etc. die
Verba "drängen", "dringen", "bringen", "fahren" und deren vorangehende
Zusammensetzungen wie "herzu- oder hinzubringen, -fahren" etc. etc.
nachzuschlagen sein.
Ferner bemerkt Hr. Nesselmann, worüber schon Schleicher in seiner litt.
Grammatik klagt, dass ich die Laute ie und e, ü und o nicht genügend
unterscheide. Wie es sich mit diesen Lauten verhält, findet sich schon in den
"erläuternden Vorbemerkungen" zu diesem Werke (Bd. 1. S. XII) ziemlich
ausführlich auseinandergesetzt. Zu dem dort Gesagten habe ich nun, nachdem ich
inzwischen ganz Littauen, und zwar das preussische, russische und polnische
behufs Anstellung von Ermittelungen für meine littauischo Grammatik bereist, nur
noch hinzuzufügen, dass sich in vielen Fällen durchaus nicht mit Sicherheit
feststellen lässt, ob der Stammsylbe eines litt. Wortes ein reines e oder der
demselben entsprechende Mischlaut ie, ein reines o oder dessen verwandter
Mischlaut u zum Grunde liege. Nicht bloss je nach den verschiedenen Gegenden,
sondern sogar in einer und derselben Gegend hört man von verschiedenen Personen
eine und dieselbe Sylbe theils mit einem reinen, theils mit einem gemischten
Vocal sprechen. Da ich nun aber in meinem Wörterbuche die littauischo Sprache
nicht etwa nach besonderen Theorien darzustellen suchte, sondern jeden Satz und
jedes Wort ganz so, wie ich es aus dem Munde von echten Littauern hörte,
niederschrieb , so kam es, dass ich bei der Schreibung von u und o, wie von ie
und e nicht consequent war. Solche Inconsequenz kommt im Wörterbuch aber in
Folge des eben angedeuteten Verfahrens auch in andern Fällen vor, z. B.
wo Wörter mit voller Form neben Formverkürzungon, rankoje neben rankoj, in der
Hand, eikime neben eikim, lasst uns gehen, walgyti neben walgyt, essen, tewas
neben tews, Vater, stehen; dann ferner auch wo der Nasal wie beim Infinitiv und
in den von demselben gemachten Ableitungen beliebig entweder in dem Vocal (i.
od. e ) latirt oder rein ausgesprochen wird, z. B. mokiti neben mokinti, lehren;
gabeti neben gabenti, bringen etc.; ja öfter wechseln auch ß mit tß, z. B.
gaßpadörius neben gatßpadörius, Hauswirth, loßkä neben lotßka, Huld etc. Alle
diese Formen stehen im Wörterbuch neben einander in gleicher Berechtigung, weil
sie im Volke neben einander, wenn auch je nach den verschiedenen Gegenden,
leben. Ausserdem findet sich im Wörterbuche bei Fremdwörtern vor a, o, u für das
deutsche z statt des sonst dafür üblichen c öfter auch tß gesetzt, und zwar
hauptsächlich da, wo sich beim Niederschreiben dos Wortes unwillkürlich und kaum
bewusst im Gefühl die Besorgniss geltend machte, der Deutsche würde beim Lesen
das c wie k aussprechen. Ich erinnere mich aus meiner Jugend, wie mir das immer
grosse Unruhe verursachte, wenn ich den Ortsgeistlichen das Wort procewotis,
sich bemühen, bei Mielcke auch procawotis geschrieben, in Folge dieser letzten
Schreibart immer prokawotis aussprechen hörte. - So viel zur Erwiderung auf die
Bemerkungen des Hrn. Nesselmann.Sodann geben mir aber auch noch Hrn. Job.
Schmidt's kritisirende Bemerkungen zu meinem Wörterbuch Anlass zu einer
rechtfertigenden Erwiderung. Hr. Rec. spricht es zunächst nicht als Tadel aus,
aber er bezeichnet es doch als einen meinem Wörterbuch als einem
deutsch-littauisclien nothwendig anhaftenden Mangel, dass es keine Belege gebe.
Er sagt: "Der deutsch - littauische Theil verfolgt hauptsächlich den Zweck, zur
Übersetzung deutscher Worte in's Littauische anzuleiten, giebt daher keine
Belege und führt auch Worte auf für Dinge, welche dem niedern Volksleben fremd
sind etc." Über den eigentlichen Zweck, den ich bei der Ausarbeitung dieses
Wörterbuchs im Auge gehabt, ist schon oben das Nähere angegeben; darin wird sich
aber auch der Grund erkennen lassen, warum ich auch "für Dinge, die dem niedern
Volksleben fremd sind" im Littauischen Ausdrücke zu geben bemüht gewesen bin. Es
sollte eben zur Übersetzung alles Deutsch-Gedachten in's Littauische Anleitung
gegeben werden, insofern sich zu dessen Übertragung in's Littauische
Veranlassung finden könnte. Unter Belegen, deren Fehlen Hr. Recensent monirt,
scheint derselbe doch wohl Citate aus littauischen Schriften verstanden zu
haben. Derartige Belege sind jedoch als Beweismittel für die Richtigkeit
gemachter Angaben nur da angebracht, wo eine zuverlässige Literatur vorhanden
ist, und zugleich nothwendig bei einer todten Sprache. Beides aber trifft hier
nicht zu. Ausser bei den Dichtungen des Donalitius und etwa Schleicher's
Lesebuche giebt es kaum irgend eine zuverlässig richtig geschriebene littauische
Schrift, aus welcher sich mit Sicherheit beweisende littauische Citate entnehmen
liessen. In Preussen ist das Littauische so ziemlich durchweg von Deutschen ohne
alle genauere Kenntniss der litt. Sprache geschrieben und daher oft ganz
entsetzlich unlittauisch. Selbst die im kirchlichen und häuslichen Gebrauche
befindliche littauische Bibelübersetzung, von verschiedenen Geistlichen
Littauens zu Ende des 17. und anfangs des 18. Jahrhunderts verfasst, wimmelt von
Germanismen und Unrichtigkeiten. Zwar habe ich das Neue Testament in der Ausgabe
von 1865 einer Revision unterzogen, aber ich glaubte, um den littauischen
Bibelfreunden durch Beseitigung des Gewohnten nicht zu viel Anstoss zu geben,
dabei nur leise Änderungen vornehmen zu dürfen. Zwar haben auch National -
Littauer littauische Übersetzungen aus dem Deutschen geliefert, wie z. B. Arnd's
wahres Christenthuin, Frank's Predigten, Bunyan's heiliger Krieg etc. es
sind. Aber diese Übersetzer besassen nicht die hiezu nöthige
sprachliche Bildung, um sich vom deutschen Originale genügend frei zu halten,
und haben auch besonders die bildlichen Ausdrücke und Redefiguren des Deutschen
so wenig verstanden, dass man oft, um die Übersetzung verstehen zu können, erst
den deutschen Text einsehen muss. Das reinste geschriebene Littauisch möchten
noch die verschiedenen Dainos-Sammlungen enthalten, aber ganz zuverlässig sind
sie auch nicht. Denn abgesehen davon, dass mancher Sänger ein überkommenes Lied
oft ohne genügendos Verständniss und nicht selten corrumpiert singt, muss die
Daina doch noch immer durch unsichere Medien wandern, bis sie aus des Sängers
Munde zu des Lesers Auge gelangt.
Die im polnischen und russischen Littauen früher erschienenen 1ittauischen
Schriften*) sind meistens polonisirend, ganz so, wie sie diesseits der
Grenze germanisirend sind, weil deren Verfassern fast durchweg polnische Bildung
anhaftet. Demnach schien es nicht bloss das Bequemste, sondern
auch Sicherste oder gar das einzig Sichere zu sein, jedes Wort und jeden Satz
direct aus dem Volksmunde zu entnehmen, und ist somit jeder einzige im
Wörterbuch enthaltene Satz als ein sicher belegendos Citat anzusehen.
Hr. Schmidt will ferner meine Theorie von Semidiphthongen und Semitriphthongen
(s. Bd. I. Erläuternde Vorbemerkungen S. XIII) mit Hinweis auf Brücke's
"Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachlaute S. 27 und auf
Merkel's ("Physiologie der menschlichen Sprache" S. 124) nicht "als auf
physiologischer Grundlage (das heisst doch wohl: nicht als auf einer von der
Sprachphysiologie nach den bisher bekannt gewordenen sprachliche Erscheinungen
festgestellten Grundlage ruhend gelten lassen, weil bei Diphthongen eine völlige
Verschmelzung von Vocalen bis zur Unmöglichkeit der Sonderung oder
Unterscheidung der verschmolzenen Elemente stattfinde, was bei Lautverbindungen
wie al, ar, am etc. nicht möglich sei. Darauf habe ich zu erinnern, ich, die
Richtigkeit dieser Annahme völlig anerkennend, die in Rede stehenden
Lautverbindungen auch nur "Semi"-Diphthongen und "Semi " -Triphthongen nenne und
zwar, wie ich glaube, mit eben demselben Rechte, mit welchem 1, m, n,r
Semivocale genannt werden, ohne dass man sie damit den eigentlichen Vocalen
völlig gleichstellen wollte.
Übrigens bin ich auf diese Bezeichnung, wie ich es aufrichtig versichern
kann, nicht durch müssiges Haschen nach Theorien gelangt, sondeern sie hat sich
bei mir bei genauer Beobachtung der Thatsachen aufgedrängt
durch die Notwendigkeit, sie in die sprachlichen Erscheinungen einzuordnen, ich
sie dann zu meiner eigenen Überraschung nach allen Seiten hin äusserst zu
treffend gefunden habe. Gleichwohl bin ich für die von mir gebrauchten
Benennungen " Semidiphthongen etc." nicht so sehr eingenommen, als dass ich sie
nie gern für eine dem Sachverhalt entsprechendere, sobald sie gefunden,
aufgeben möchte. Zwar scheint mein Herr Recensent auch an der
Richtigkeit meiner Beobachtung des wirklichen Sachverhalts einige Zweifel zu
hegen, indem sich ihm " ein Consonant unter Vocalen als Tonträger doch
etwas befremdend anhört." Aber ich bürge für die Richtigkeit meiner
Angabe. Diese Betonung der Semivocale ist von der Dehnung der
Consonanten nach kurzen Vocalen, wie sie sich auch in andern Sprachen
findet, etwas so ganz und gar Verschiedenes und verleibt der litt.
Sprache, einen so eigenthümlichen Schmelz, dass man z.B. einen Nichtlittauer
beim Sprechen des Littauischcn an dem Nichtvorhandensein
#####################################################
*) Jetzt darf dort Littauisches anders als mit russischer Schrift gar nicht
gedruckt werden. Da aber kein Littauer russische Schrift liest, so werden zur
Zeit Gcbetbücher fürdie jenseitigen Littauer in Tilsit gedruckt und über die
Grenze geschmuggelt. Ein mit russicher Schrift gedrucktes littauisches Buch ist
mir aber noch gar nicht zu Gesicht gekommen
######################################################################
dieser Eigenthümlichkeit als einen solchen sofort erkennt, auch wenn er sich
sonst der richtigsten litt. Ausdrucksweise bediente. Die Sprachphysiologie wird
also dieser Art Betonung als einer bisher noch nicht beobachteten sprachlichen
Erscheinung Rechnung tragen müssen.
Von ausserordentlich hohem Interesse ist es mir aber gewesen, von Hrn. J.
Schmidt darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass die von mir bereits in der
"Laut- und Tonlehre" nachgewiesene, von Schleicher in der litt. Grammatik
bezweifelte doppelte Betonung im Liittauischen, die gestossene und geschliffene,
sich auch schon im Sanskrit, im Griechischen und Lateinischen befunden habe.
Hinsichtlich des Skr. verweist Hr. Rec. darauf, dass nach Haug's Bericht über
die Recitation des Veda (,,Zeitschrift d. deutsch. morgenl. Gesellschaft" XVII.
S. 800 f.) "auch der indische Swarita zweierlei Betonungen in sich begreift,
welche nach der gegebenen Beschreibung den beiden von Kurschat unterschiedenen
genau entsprechen." Wegen der doppelten Betonung des Griechischen und
Lateinischen bezieht sich Hr. Recensent auf die Überlieferungen von Servius
(Explanatio in art. Donati; gramm. lat. ed. Keil IV. p. 528 sqq.). Servius sage
nämlich: Eratosthenes habe von der flexa gelehrt, der Ton beuge sich ex parte
priore acuta in gravom posteriorom (scheint dem litt. gestossenen Tone bei
langem Vocal zu entsprechen, worüber Näheres die Grammatik bringen soll);
Theodorus aber: dass der Ton aliquando etiam ex gravi in acutiorem excendere
(offenbar der litt. geschliffene Ton bei langen Vocalen); Varro aber: in
utramquo partem moveri arbitratur.'' Die Verschiedenheit und auch vielleicht die
ungenügende Bestimmtheit dieser Angaben mögen wohl Ursache sein, dass in unseren
Schulen das Griechische zwar verschieden accentuirt geschrieben, aber nicht mit
verschiedener Betonung gesprochen wird.
Ausserdem hat Hr. J. Schmidt auch noch die Vermuthung ausgesprochen, meine
Angabe (Erläuternde Vorbemerkungen S. XVI), dass a und e nur durch die Betonung
lang würden, sei wohl ein Versehen. Das ist sie aber nicht, sondern nur eine
gelegentliche Erwähnung eines allgemein geltenden littauischen Lautgesetzes, das
aber in einigen Fällen, wie z. B. auch in den von dem Hrn. Recensenten aus
meiner "Laut- und Tonlehre" angeführten, auch Ausnahmen erleidet, über welche
meine Grammatik Ausführlicheres bringen soll.
Noch von einer Ausstellung muss ich hier sprechen, welche man meinem Wörterbuche
zwar nicht in irgend einer öffentlichen Besprechung aber so unter der Hand
gemacht hat und die mir nur gelegentlich zur Kenntniss gekommen ist, nämlich von
der, mein Wörterbuch berücksichtige bei Übertragung der deutschen Ausdrücke in's
Littauische nicht immer den litt. biblischen Sprachgebrauch oder genauer: den
littauischen Bibeltext. Dies ist nun in so fern richtig, als ich in den ersten
drei Lieferungen die geradezu unrichtigen Übersetzungen der litt. Bibel völlig
bei Seite liess. Von da ab aber, nachdem mir solche Ausserungen bekannt
geworden, habe ich aus derselben auch das Unrichtigste aufgenommen, natürlich
mit Hinzufügung der das Verständniss aufhellenden Angaben.
Schliesslich habe ich noch wegen der im "Wörterbuche stehen gebliebenen
Druckfehler, deren Zahl sich übrigens zu meiner Freude kleiner erwies, als ich
es selbst zu hoffen wagte, um freundliche Entschuldigung zu bitten. Sie sind
trotz der dreimaligen Durchsicht jedes Bogens übersehen worden, theils weil
wegen des dabei zu berücksichtigenden Vielerlei die Aufmerksamkeit stets
getheilt war und das Auge, zumal bei so feiner Schrift und nicht immer genügend
klarem Abdruck der Correcturbogcn, leicht ermüdete, theils weil ich bei meinem
sonstigen vielen populär - litt. Schreiben einer andern Schreibwoise zu folgen
habe und deswegen hin und wider Abweichungen in der Schreibung nicht bemerkte.
Ein paar mal ist es
aber auch vorgekommen, dass ich eine Berichtigung sofort nach ihrer Entdecken
auszuführen verhindert, dieselbe späterhin vergass. Herr Professor Dr.
Nesselmann hat aber in seinem lebhaften Interesse für das Littauische und, was
von besonderm Werth ist, auch für mein Wörterbuch gelegentlich seiner
Beschäftigung mit demselben die darin enthaltenen Unrichtigkeiten mit
grosser Akribie ermittelt und das Vorzeichniss derselben mir in grossem
"Wohlwollen zur Benutzung für die Schlussberichtigungen überlassen.
Selbstverständlich hat dieser hochgeehrte Herr damit einen Anspruch auf meinen
Dank wie auch auf den aller derjenigen, die dieses Werk künftighin benutzen
werden, erworben.
Königsberg i. Pr. Ende April 1874.
Kurschat.
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