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Random quote: "How much easier it is to be critical than to be correct." Benjamin Disraeli (1804 - 1881), speech, January 24, 1860
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Wegeberichte (part1)
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Lutz Szemkus
Posted 2006-07-28 16:09 (#39017)
Subject: Wegeberichte (part1)


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Litauen nach den Wegeberichten im Ausgang des vierzehnten Jahrhunderts
A. Thomas Oberlehrer des königl. Realgymnasiums zu Tilsit, 1885
Am Ausgange des 14. Jahrhunderts bestand das Ordensland Preu­ßen aus zwei wesentlich verschiedenen Gebieten. Den Westen bis zur Alle und Deime bildeten verhältnismäßig wohl besetzte Kultur­landschaften, der Osten war Urwald, Wildnis, "vasta solitudo", "ingens solitudo", wie die Quellen sagen. An der Grenze der beiden Gebiete befand sich ein 20 bis 40 Kilometer breiter Streifen, der nur halb in Kultur genommen war. Zur Zeit, da der Orden seinen Fuß auf preußischem Boden setzte, war das Land reich an Wäldern, Heiden, Brüchen und Sümpfen; der südliche Teil der Provinz war eine Waldwüste ohne Bewohner. Nach schweren Kämpfen war der Orden des Landes Herr geworden, ein großer Teil der Ureinwohner war gefallen, ein anderer hatte das Land seiner Väter verlassen, um bei den Stammesgenossen in Litauen seine Zuflucht zu nehmen. Ein Land, wie es Dusburg beschreibt, wenn er als seine Bestandtei­le die bekannten 11 Gaue angibt, das sich also nach Norden bis zur Dange, nach Osten bis fast zum Mittellauf der Memel erstreckte, ließ sich mit den Mitteln, über die der Orden gebot, schwer behaup­ten, noch schwerer kolonisieren. Es war daher ein eminent politi­scher Gedanke, den der Orden durchführte, als er die Bewohner der östlichen Landschaften nach dem Westen versetzte; die Bevölke­rung wurde verdichtet, die Verteidigungslinien wurden verengt. Zum Schütze des besetzten Landes dienten vier Burgen Heilsberg, Bartenstein, Tapiau und Labiau; davor waren zahlreiche Außen­forts, vorgeschobene Wachtposten, "Wildhäuser", angelegt, um die Bewegungen des Feindes zu beobachten und den ersten Anprall aufzuhalten. Jenseits der Wildnis erhoben sich die Siedlungen der Litauer, zwar dünn zwischen Wald und Heide zerstreut, aber da war doch wieder ein Land, das der Mensch der wilden Natur abge­rungen hatte, zu seinem Schutz und Gedeihen, wo der Pflug den Boden ritzte, und der Rauch friedlicher Hütten auf der Rodung über den Wipfeln des Waldes empor wirbelte. Ganz ohne Einwohner war die Wildnis freilich auch nicht. Dem zahlreichen Wilde spürte der Jäger nach, der Fischer schlug am Rande der Seen für kurze Zeit seine Rindenhütte auf, Siedler stellten den Bienen nach und rü­steten ihnen neue Stöcke. Die Anwohner des Waldes kamen, auf den Niederungen an den Flüssen und auf den größeren Lichtungen Heu zu machen. Anderseits streiften von hüben und drüben zahlrei­che Banden, um im feindlichen Lande zu plündern und zu morden. Dörfer und feste Ansiedlungen gab's in dem ungeheuren Waldge­biet, das Lothar Weber auf 60.000 Quadratkilometer schätzt, keine. Noch im Jahre 1404 fehlen solche um Memel herum; 1416 wird die Vitte genannt; erst 1437 erscheinen Nidden und Nimmersatt als zinsende Dörfer.
Das ganze 14. Jahrhundert füllt sich für den Orden mit den Kämpfen gegen die Litauer. Der Widerstand seiner Bewohner, die Unzulänglichkeit des Landes, die Schwierigkeit der Kriegsführung verhinderte die Unterwerfung Litauens auf so lange, bis seine Ver­bindung mit Polen es vor der Eroberung und Germanisierung sicher stellte. Die Tannenberger Schlacht ist die traurige Markscheide für die ruhmreiche deutsche Kolonisation; nie hat es ein Ereignis gege­ben, das so folgenreich für die Geschicke der baltischen Lande ge­wesen ist.
Die Kriegsführung jener Zeiten war die elendste, die man sich den­ken kann. Sie ging von dem Grundsatze aus, daß dem Sieger alles gehöre, alles erlaubt sei, vor allem gegen die Heiden. So bestanden denn auch die Kriege des Ordens mit den Litauern wesentlich im Morden der Männer, in der Gefangennahme der Weiber und Kin­der, im Verwüsten der Saaten, im Niederbrennen der Dörfer und Höfe. Zum bewaffneten Widerstand kommt es selten. In der ganzen durch ununterbrochene Kriege ausgefüllten Geschichte des Ordens können wir kaum ein halbes Dutzend ernstlicher Zusammenstöße feindlicher Heeresmassen zählen, die auf den Namen einer Schlacht Anspruch machen können. Der Angriff erfolgte meistens so ur­plötzlich und überraschend, daß eine Ansammlung bewaffneter Mannschaft zum Widerstand fast unmöglich war. Wer sich nicht in den Schutz der Burgen werfen konnte oder im nahen Walde Ret­tung fand, wurde erschlagen oder gefangen weggeschleppt. Diese Art der Kriegsführung setzt eine genaue Kenntnis des feindlichen Landes und der Wege, die dahin führen, voraus, da ohne eine sol­che der Angriff zu einem Stoß ins Blaue werden mußte.
Aus den sogenannten Wegeberichten vermögen wir zu erkennen, wie der Orden eifrig bemüht war, sich diese Kenntnis zu erwerben. Es sind nämlich diese Wegeberichte nichts anderes als die Protokolle über die Vernehmung der zur Erforschung des feindlichen Landes ausgesandten Späher und anderer Landeskundiger. Wir be­sitzen ihrer gerade 100, aber nur zwei in der ursprünglichen Form, während die übrigen uns nur im Auszuge vorliegen. Herausgegeben sind sie zum ersten Mal von Th. Hirsch in den Script. rer. Prus. H. p. 662 - 708 aus einer im Königsberger geheimen Archiv befindli­chen Papierhandschrift. Aus W.* 39 können wir ersehen, wie die W. entstanden sind. Wir hören hier, daß der Ordensmarschall - er hatte seinen Sitz zu Königsberg - dem Pfleger von Insterburg den Befehl gegeben hat, die Wege, die von dort nach Marienwerder a. M., d. h. nach Kowno führen, erforschen zu lassen, und der W. 39 enthält nun in der Antwort des Pflegers an den Marschall den Be­richt über die von ihm ausgesandte Expedition. "Juwer erbirkeit wisse", so schreibt der Pfleger, "das ich juwen brif wol habe verno-men, wi das ich euch solde czu wissende thuen umme die wege und des szu rote sin würden mit unseren leitesluten." Des Marschalls Knechte begleiten die Expedition, und der Pfleger selbst reitet so weit mit, daß er am dritten Tag zurück ist. Der zweite vollständig auf uns gekommene Bericht, W. 57, liegt uns ebenfalls in der Form eines an den Marschall gerichteten Briefes des Pflegers in Inster­burg vor. "Ewer wisheit", schreibt er, "sal wissen, das Gedutte mit seyner Gesellesschaft von gotes gnoden wolgesunt syn heim körnen und habin dy wege geczeichent bis eyne myle von der Memei". Die W. beginnen mit den stereotypen Wendungen: "Dese wege will fü­ren", "dese wege hat gegangen und geczeichnet", "wissen zu füren dese wege"; dann folgen die Namen der Leitsleute. W. 84 ist durch den Komtur von Balga notiert worden. Dort heißt es: "Orban Russe von Johannesburg, mit dem der Komptur czur Balga hat gereth, der bekennet sich", und nun folgt die Angabe der Route. W. 69 ist ent­standen aus der Vernehmung eines Überläufers "Hannus, der zu Teppiow ist der vlier." Den gleichen Ursprung hat W. 80; hier heißt es: "stünt Mikal, ein vüer, der do quam von Krakenik, vor deme marschalk und sprach: "her weide füren." W. 92 und 100 sind auf Befehl des Herzogs Switrigal von Litauen, der in den Jahren 1401-1404 gegen Witowd Bundesgenosse des Ordens war, aufgezeichnet worden. "So trocken und einförmig", sagt Th. Hirsch (Script. rer. Pruss. JJ p. 663), "auch diese Wegeberichte abgefaßt sind, so ge­währen sie neben einer genauen und ins Einzelne gehenden Darstel­lung der Örtlichkeiten, welche während des 14. Jhs. Schauplatz der Heidenfahrten waren, auch manchen interessanten Einblick in die

inneren Zustände sowohl der preußischen als auch der litauischen Grenzlandschaften in der letzten Periode der Heidenfahrten." So mag es denn gerechtfertigt erscheinen, wenn wir die W. zum Gegenstand unserer Studie machen, zumal uns noch ein lokales und patriotisches Interesse dem Stoffe zuführt.
Wie die Grenzburgen den Ausgangspunkt für die Reisen ins Hei­denland bildeten, so mußte man in ihnen auch am besten über die Wege, die dorthin führten, und die Beschaffenheit von Feindesland unterrichtet sein. Daß auf den Grenzburgen Leute als Späher und Führer gehalten wurden, haben wir oben aus dem Beispiel von In-sterburg kennengelernt, und aus solchen, aus Memel, Ragnit, Split­ter, Labiau, Tapiau, Insterburg, stammen denn auch die meisten in den W. genannten Leitsleute. Andere sitzen auf den Dörfern in den Grenzlandschaften, doch es begegnen uns auch Leute aus dem We­sten, aus Balga, Brandenburg, Zinten. Auch die Litauer haben das Institut der Leitsleute in seiner Wichtigkeit erkannt. In W. 100 le­sen wir: "czu iczlichem besundern hat der hercoge (Switrigal) leitz-lüte gnug". und noch ein Mal: "welchen weg man will, do hat der hercog leitzlüte genug." In erster Linie sind es preußische und litau­ische Leute, die den Späherdienst verrichten, doch begegnen wir auch deutschen Namen. W. 66 nennt uns einen Girhardt von Kremi-ten, W. 72 einen Diterich von Leunenburg. Wenn es in W. 62 heißt: "desen weg hat gegangen her Cuntze von der Vesten mit desin nachgeschrebin leitslüten," so haben wir in diesem Führer der Ex­pedition unstreitig einen Zugehörigen des Ordens zu sehen1.
Unter den Leitsleuten haben wir uns auch einfache Waldgänger zu denken, Jäger, Kriegsleute; doch werden uns auch Leute besse­rer Stellung unter ihnen genannt. W. 3 ist nach den Aussagen Gay-lenes, des Tolken von Memel, aufgezeichnet. In W. 7 begegnen wir Tolnege, des Komturs Diener, in W. 47 Graude, dem Witting von Mergenberg. Die meisten W. nennen mehrere Leitsleute, drei, vier und mehr, wie sie sich zum Späherdienst zusammengefunden ha­ben. Aus W. 7 vermögen wir die Organisation des Führerkorps zu erkennen. "Eykint und sin brudir... wellin füren von Rangnit bis czu Asswyioten, Eykint und Maze wellin füren von Asswyioten czu Gastawtindorffe... Mateico Skotz wellin füren bis czu Rogyare, von Rogyare wellin sy mitenander weder füren in den aldin weg wedir heim." Das Kommando wechselt unter den Leitsleuten, so lange be­sondere Vorsicht und genaueste Kenntnis der Gegend erforderlich ist; die Organisation löst sich, sobald das Streifkorps in Sicherheit
ist. Die erste Grundbedingung für das Gelingen eines Streifzuges war die sicherste Kenntnis der Entfernungen. So finden wir denn auch überall die Tagesmärsche und ihre Länge von Station zu Stati­on angegeben. Als Maß gilt die Meile2 (müe). Meistens sind die Entfernungen, verglichen mit den Messungen von heute, zu groß angegeben, doch müssen wir annehmen, daß die Straßen, anders als heute, wo man nach Möglichkeit die kürzeste Linie wählt, wegen der Beschaffenheit des Terrains häufig zu großen Umwegen ge­zwungen waren. Dieser Umstand erschwert uns häufig das Auffin­den der in den W. angegebenen Örtlichkeiten. Bei der Wichtigkeit der Aufnahmen und der hohen Verantwortlichkeit, unter der die Leitsleute standen, werden ihre Angaben im allgemeinen volles Vertrauen verdienen, wenn auch, wie selbstverständlich, Irrtümer nicht ausgeschlossen sind. Wie sie die Entfernungen bestimmten, ob durch Auszählen der Schritte, ob nach der Zeit des Marsches, wissen wir nicht, doch müssen wir bedenken, daß Leute ihrer Art, Waldgänger, Späher eine für den Kulturmenschen erstaunliche Si­cherheit in der Kunst des Orientierens in Zeit und Raum besitzen. Prüfen wir einige Angaben der Leitsleute. W. 5 gibt die Entfernung von Rossitten bis zur Mingemündung für eine Winterreise auf vier Meilen. In der Luftlinie liegen beide Punkte fünf Meilen voneinan­der. Wenn wir die Ordensmeile zu 8280 m rechnen, so ist die Anga­be der Leitsleute bis auf wenige Kilometer richtig. Von der Wyste bis zur Wischwill gibt W. 7 die Entfernung auf drei Meilen an, ge­gen zwei Meilen in der Luftlinie. Der Margensee ist vom Greischö-ner Schloßberg zwei und eine halbe Meilen entfernt, W. 18 gibt vier Meilen an. Auf dem Eise des Haffes hielt man gerade auf die Mingemündung; hier ist die Differenz in der Wegemessung ver­schwindend klein. Zwischen Wyste und Wischwill wird man sich, die Memel aufwärts ziehend, nur so weit von dem Strome entfernt haben, als es notwendig war, um festen Boden zu gewinnen, gerade so wie es die heutige Straße auch tut. Größere Schwierigkeiten mußte die Niederung des Memel- und Jurathaies bieten. Dort über­stieg die angegebene Entfernung die wirkliche um ein Drittel; hier fast um die Hälfte. So werden die Zahlen der W. für uns zu einem Maßstabe für die Beurteilung der Schwierigkeit der Wege selbst. Kleinere Maße sind das Seil = 50 m., die Rute = 5 m., der Schuh. Zu ungefährer Schätzung dienen Angaben, wie ein Keulenwurf, ein Bogenschuß. W. 69 rechnet nach dem Ruf der menschlichen Stim­me, "eynen rüff', czwene rufe".
Die Tagemärsche zählen zwei, drei, vier Meilen, wohl je nach der Schwierigkeit des Terrains, doch werden uns auch Märsche von fünf, sechs, sieben Meilen genannt. W. 2 heißt es: "und ist V. milen, man mus es an eyme tage czyhen". Solche Parforcemärsche schei­nen namentlich geboten vor Eintritt in Feindesland, wenn es gilt, den Feind durch schnellen Ritt zu überraschen, ehe er gewarnt wird. W. 6 rechnet von der Scheschuwa bis auf das Feld Awkon zwei Meilen; dann heißt es: "die VII mile mus man undir eyns ryten tag und nacht". W. 88 mutet Roß und Reiter noch schlimmeres zu: "ab man die nacht rythen will, so hat man Vin mile von der Memel czu Waysilischken". Häufig gilt es durch solch einen Gewaltmarsch das Depot, das in der Wildnis errichtet ist, zu erreichen. So heißt es in W. 8: "von Namaxte ist Vn mile czu Sessow, do kümt man wedir czur Kost. Diese Distanzen vergrößern sich für unsere Vorstellun­gen noch, wenn wir uns erinnern, daß die Ordensmeile statt 7 km deren 8 zählt. Wenn wir noch bedenken, daß wk es hier mit schwe­rer Reiterei zu tun haben, die Wege die schwierigsten sind, wäh­rend des Marsches Knüppeldämme gebaut, Sümpfe durch Faschi­nen gangbar gemacht, Flüsse und Bäche überbrückt werden müs­sen, so erscheinen Marsche der Art als ganz erstaunliche Leistun­gen. Die Bemerkungen Loth. Webers über die Leistungsfähigkeit der mittelalterlichen Reiterei finden durch solche Angaben nur ihre Bestätigung. "Seit jeher", sagt Loth. Weber p. 654, "und mit Recht hat man eine hohe Meinung von dem Kavalleriepferd des Mittelal­ters gehabt; aber doch nicht hoch genug, denn die verbürgten und verbrieften Leistungen dieser Reiterei übersteigen all unser Denken und alles, was moderne Kavallerie geleistet hat". Herzog Wilhelm von Geldern legt in 24 Tagen 990 km, d. h. täglich 45 km zurück. Graf Wilhelm IV. von Holland reitet von Öls nach Thorn in 5 Ta­gen 300 km. Auf dem Rückwege reitet er von Danzig nach Bremen in 16 Tagen 960 km oder 65 km täglich. "Was für Menschen und was für Pferde müssen es gewesen sein, die in einer Truppe von 200-400 Pferden im schärfsten Winter auf gewöhnlichen Landwe­gen durch wildfremde Länder und Gebirge wöchentlich 400 Kilo­meter zurückzulegen im Stande waren?"
Es ist eine Urwaldsnatur, die uns aus den trockenen Notizen der W. in ihrer ganzen Furchtbarkeit entgegen treten. "Und dy acht my-le sind eytel weit", heißt es in W. 84 über die Gegend zwischen Lyck und Netta. W. 83 erwähnt eine Wildnis von 12 Meilen Länge in der Nähe von Grodno. Wald, Heide, Russe mit breiten Niede-rungsufern, Sümpfe und Moore wechseln in ermüdender Einför­migkeit und verwachsen zu einem Bilde, dessen Ungeheuerlichkeit wir, die wk an den Anblick unserer Kulturlandschaften gewöhnt sind, kaum zu fassen vermögen. Als Nachtlager wählen die Leits-leute die Ufer der Bäche, Flüsse und Seen, den Rand der Wälder, Ruinen zerstörter Ansiedlungen, verfallene Burgwälle. Nur selten trifft es sich, daß das Heer im Schütze einer Burg wie Splitter oder Ragnit lagern kann. Aber auch dann finden wohl nur die obersten Heerführer für die Nacht Aufnahme im behaglichen Burggemach, das Heer, Roß und Mann, biwakieren im Freien. Und so war es die Regel. Wochenlang lagerte das Heer bei strenger Winterkälte unter leichtem Leinwandzelt oder in schnell errichteten Strohhütten, wäh­rend den Pferden kaum ein anderes Lager als der hartgefrorene Schnee geboten werden konnte. In einem Lande, wie es Litauen da­mals war, ist der Marsch eines Reiterheeres ohne ein zahkeiches Pionierkorps nicht denkbar. So ziehen denn im Heere zahkeiche Arbeiterkolonnen, um den schwerbewaffneten Geschwadern die Wege zu bereiten. Das "rumen" kommt in jeder dritten Zeile der W. vor. Darunter ist nicht allein die Beseitigung des Unterholzes und das Aufräumen der gestürzten Bäume im Urwalde zu verstehen, sondern auch jede Art von Wegeverbesserung mit Axt und Spaten, Faschinen und Rundhölzern. Da ist ein wenig zu "rumen", da sind drei Wälder, die muß man "durchrumen", da hat man zwei Meilen zu "rumen, drei Meilen Wald, die muß man "rumen", solcher Arbeit ist kein Ende. Es scheint fast eine Ausnahme, wenn der Zug ein Mal traben kann. Der Weg ist gut, notiert W. l und ebendaselbst "IV mile gut weg obkal". W. 5 vermerkt: "II mile hartis gutis wal-des" und weiter "do czwischen ist eine rume damerow do darff man nicht "rumen". Im W. 10 wkd vermerkt: "gut steende wald und gut feld" und in W. 34 heißt es endlich "und ist gut wek, das do keine hindernisse nicht do inne ist und wol die helfte do durch faren mochte mit einem wagene". Wo es erlaubt ist, hielt man sich an Wege, die frühere Expeditionen gegangen waren, es scheint fast, als ob durch das häufige Begehen der Wildnis reguläre Landstraßen entstanden waren. So erwähnt W. 10 "eines Heerweges" an der Gil-ge. W. 59 spricht von den "herwege, dy von Barthen komen und von Gkdawen". Vor allem boten die Waldniederungen, Sümpfe und Brüche für die schwergerüstete Reiterkolonnen die gefährlichsten Passagen. Bei strengem Frost mochte der Sumpf Roß und Reiter tragen, sonst aber muß es als eine Ausnahme erscheinen, wenn W.
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