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- (Added by: Tomas Baranauskas)


Wegeberichte (part1)
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Lutz Szemkus
Posted 2006-07-28 23:14 (#39034 - in reply to #39017)
Subject: RE: Wegeberichte (part2)


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64 von zwei Brüchen spricht: "die haben harten Grund und sind gut zu reiten". Wo es sein kann, begnügt man sich mit dem Legen von Faschinen, so heißt es in W. 15: "do ist eyn bruch, das muß man brücken mit risecht"; für gewöhnlich aber muß mit Beil und Axt ge­arbeitet werden. Auf dem Wege von Insterburg nach Kowno findet man hinter der Szeszuppe (Scheschuppe) auf sechs Meilen sechs Brüche, eines drei Seile lang, die ändern zwei Seile lang, das Seil = 50 M. Sie sollen auf Knüppeldämmen überschritten werden. W. 40 berichtet: " do hadt man ein böse brüch czu brückin eines halbin se-lis lank" und so an anderen Stellen noch unzählige Male. Geht's nicht hindurch, so muß man herumreiten. W. 39 heißt es: "ist es an eime ende boße, sümder sie meinen es wol ume czu füren". "Von dannen", notiert W. 91, "den bösen walt umme czu ryten m mile weges". Nicht geringere Schwierigkeiten machte das Überschreiten der Russe und Bäche. Deren gab es in Litauen mehr als genug. W. 42 nennt auf einer Wegeroute von acht und zwanzig Meilen sechs und zwanzig zu überbrückende Bäche und Flüsse. W. 42 gibt die Länge einer Brücke über die Pissa auf zwei Ruten = 10 m., W. 22 die einer ändern über die Asarune auf zwei Speerschäfte an. Die Flüsse haben hier hohe und feste Ufer; schlimm wird die Sache, wenn die Flußläufe von einem Saum sumpfiger Niederungen einge­faßt sind oder ihre Ufer überschwemmt haben. In W. 38 heißt es: "do ist ein Fließ, das mus man brückin eines seiles lang, anders kann man nicht dor obir kommen, wen es gar notig ist" und unmit­telbar dahinter noch einmal: "von Seimen 1/2 mile czu Narman in das lendichin, do mus man ein flissechen brukin I seiles lang". W. 63 erwähnt eine Brücke über die Netta: "do mus man brücken IV zeile bruch und flyes" und ebenso schlimm klingt es, wenn an einer ändern Stelle auf beiden Seiten Brücken und Dämme gefordert wer­den von der Breite eines Armbrustschusses und darüber. Wenn es geht, so durchreitet man die Gewässer. Wiederholt wird von wichti­gen Memelfurten gesprochen, wie W. 97, 98, 99. W. 47 tut einer Furt der Navese Erwähnung: "und der der fort hat gutte grünt und ist nicht mer denne VI spannen tief. W. 37 spricht von einer Furt an demselben Flusse: "der ist knytief' und W. 38 von einer dritten: "der ist tief bis zum gurtel". Geht's nicht anders, so muß man den Fluß weiter hinauf zu überschreiten suchen. W. 78 sagt: were die Strewe nicht gefroren, so möchte man sie wol ummeryten".
Der Orden unternahm seine Züge nach Litauen mit Vorliebe im Winter. War der Winter flau, so mußte die Kriegsreise zum Ärger
der Kriegsgäste unterbleiben. Überfiel das Heer, das bei strengem Frost ausgezogen war, in der Wildnis oder in Feindesland Tauwet­ter, so mochte es zusehen, wie es mit den schweren Rossen und schwergepanzerten Kriegsleuten den Rückweg fand. Viele Wege­berichte sagen ausdrücklich, ob ihre Angaben für Sommer- oder Winterreisen gelten sollen.
Außer Wasser, Holz und Gras, und dieses auch nicht immer, und gelegentlicher Jagdbeute, bot die Wildnis zum Unterhalt des Heeres absolut nichts. Alles, was man braucht, muß auf Wagen, Schlitten oder Schiffen mitgeführt werden. So erhalten wir zu den schwer be­waffneten Kombattanten, den Pionier- und Arbeiterkolonnen, noch einen dritten Heeresteil, den Train. Der Train begleitete das Heer bis ins Feindesland, d. h. bis dahin, von wo an dasselbe sich selbst zu ernähren hoffen durfte. "Do kerin dy sleten wedir", heißt es in W. 6, nachdem auf einem Marsch von vierzehn Meilen fünfmal Nachtlager gehalten , und in der Wildnis vier Depots errichtet wor­den sind. Wahrscheinlich ließ man zur Bewachung der Depots klei­ne Abteilungen in der Wildnis zurück. Gelang's trotzdem dem Fein­de, im Rücken des Heeres die Depots wegzunehmen, so gab's ein Unglück. Eine Art von Kulturoase inmitten des Urwalds war die Umgegend von Tilsit. Die Memelstraße bildete den Schlüssel zu den oberen Landschaften Litauens und war deshalb für den Orden von besonderer Wichtigkeit. Dicht gedrängt lagen hier hintereinan­der die Burgen Splitter, Kaustritten, Schalauerburg und Ragnit. Wie wenig man aber auch hier mit Vorräten versehen war, können wir, wenn wir's nicht wüßten, aus W. 6 ersehen. Die dritte Nacht, heißt es hier, "liet man czur Splitter, do let man die andir cost".
Von nicht geringer Bedeutung war die Sorge um Holz, Wasser, Futter. Das Holz brauchte man zur Unterhaltung von Biwakfeuer, zu Zeltstangen u. dergl., zum Legen der Dämme, zum Bauen der Brücken. "Puters und wässirs gnug", "do ist holczes und wassirs gnuck", "futirs, wassirs, holczes gnuck", melden die Leitsleute. Man sollte es nicht für möglich halten, daß in einem so wald- und was­serreichen Lande wie Litauen es einmal den Pferden an Futter man­geln könnte. Wenn man aber an die weiten Heidestrecken, an die ausgebreiteten, von niedrigen und hohen Kieferbeständen besetzten Waldgebiete denkt, wird es begreiflich, daß auch die Sorge um grü­nes Futter nicht unnötig war. W. 43 rät für die Fahrt von Laukisch-ken nach Mehlauken mit dem Grasvorrat haushälterisch umzuge­hen: "do findet man füters genug, das mus man die helfte behalden
uf die wedirreise". Es ist sogar der Fall nicht ausgeschlossen, daß das Expeditionskorps Futter für die Pferde mitnimmt: "Wenn man Namaxten uff eyne mile nor kumt", heißt es in W. 6, "so mus man das heer futern und das futer mete füren uff das legir". Ähnlich heißt der W. 9: "und man mus czu Qwestin futer nehmen czu eyner nacht, das man futer habe uf der Jura und ist vort TTT mile".
Hat man die Wildnis hinter sich, so kommt man in das "land", hier überall in dem Sinne bewohntes, kultiviertes Land. W. 12 heißt es: "von dannen n mile trüge damerow in das land czu Medenik-ken", W. 13: "von dannen n mile bis in das land gutes weges", W. 18: "vort n mile bis in das land". Bevor man feindliches Gebiet be­tritt, wappnet sich das Heer, d. h. der Reitersmann legt Helm und Harnisch an, die ihm bis dahin auf einem Handpferd nachgeführt wurden. "Und wapnit sich zu Awkon", heißt es in W. 6. "Von Awkon in das lant czu Caltenenen und ist HI mile guten weges. da mus man sich auch wopnen", sagt W. 7. Jetzt gilt es mit schnellem Ritt den Feind zu überraschen, denn der Feind ist auf der Hut, und seine Späher liegen in der Grenzwildnis auf der Lauer. "Do sten gerne wartsleute offe", sagt ein Wegebericht über die Gegend von Grodno. Den schnellen Anmarsch bezeichnen die W. mit dem Aus­druck: "man sprenget in das lant". Man sucht den Feind möglichst in den Morgenstunden zu überraschen. "Und man mus die czwu mylen bei nachte ryten", heißt es in W. 2, "und man kömpt czu Schawden in das lant". "Die VII mile mus man undir eyns ryten tag und nacht", ordnen die Leitsleute an. Gegen solche urplötzliche her­einbrechende Anfälle hatten die unglücklichen Bewohner des über­zogenen Landes nur ein schwaches Schutzmittel, die Verhaue. Sie hegen das Land nicht nur an der äußersten Grenze ein, auch im In­nern ist Kulturoase von Kulturoase durch Wald und Verhaue ge­schieden. Diese Verhaue bezeichnen die W. mit den Ausdrücken "hagene, hegen, heyen, hayne". Die Verhaue sind oft von bedeuten­der Breite, so daß sie den Feind wohl einige Stunden aufzuhalten vermögen, bis der Bauer sich mit seinem Vieh im Walde geborgen hat. "Und vor dem lande wohl eyne myle ist ein hayi eyns armbrost-schosses breit" berichtet W. 27. Ein andermal legte man mehrere Verhaue hintereinander an. W. 19 sagt: "und vort von der Mitow I myle bis czu den JJJ haynen". W. 32 spricht "von czwene hagene". W. 31 berichtet: "syn dry hegene vor dem land". Die Verhaue ver­stärkt man dadurch, daß man sie auf schwer passierbarem Boden anlegt. W. 27 erzählt: "und mitte in dem hayn ist eyn flys, da vortet
man wol, woman will". Da beginnt denn das gewohnte "rumen" von neuem. Von den Verhauen in W. 31 heißt es: "der ist alt und gut czu rumen". Von den drei Verhauen in W. 31 wird gesagt: "die czweene syn gut czu rumen". Kommt man nicht hindurch, so sucht man den Verhau an den äußersten Enden zu umreiten. So heißt es gleich an der zuletzt angezogenen Stelle: "ritet man eynen wol ume". Ein anderes Mal heißt es: "do ist ein wenig verhowen und das ryt man ume ane hindernisse". Schon beginnt die Kraft der Vertei­digung zu erlahmen. "Die land trift man alle ane hagene", heißt es in W. 15, "und ist kein hagenen", W.33. In W. 32 werden zwei Ver­haue erwähnt, "die waren beide gebrochen". Mit dem Eintritt in Feindesland brechen die W. häufig ab. Andere leiten das Heer zwar weiter, sind aber mit ihren Angaben summarischer, während wieder andere fortfahren, die Entfernungen zu bestimmen und sonstige No­tizen zusammen zu tragen. Frei von der Proviantkolonne und wohl auch dem größten teil der Pionier- und Arbeiterabteilungen kann sich das Streifkorps freier bewegen, wie es die Aussicht auf Beute und etwaiger Widerstand gebietet. Die Länge des Aufenthaltes in Feindesland mag von vielen Faktoren abhängen, in erster Linie wohl von der Stärke des Heerhaufens. W. 27 hebt von der Einmün­dung der Schwente an die Memel an: "Die dritte Nacht lyt man im land an eyme walde, der heißt Sautum. Will man denne von dannen heym czyhen denselben weg, das mag man thun". W. 24 führt das Heer sieben Meilen in Feindesland und empfiehlt dann die Rück­kehr. W. 9 läßt das Herr in einem Kreise von elf Meilen marschie­ren, um zur Eintrittsstelle zurück zu kehren. "Do kumpt man uf den alten weg wedir us". W. 6 gibt die Angaben für den Marsch von einundzwanzig Meilen in Feindesland; auch dort heißt es: "do kumpt man wedir in den alten weg". Das Heer muß zu seinen De­pots zurück.
Auch Angaben über kombinierte Bewegungen fehlt es nicht. W. 8 läßt ein Heer von Ragnit die Wischwill hinauf nach den östlichen Gebieten marschieren, während ein zweites von Tilsit das obere Ju­ragebiet überziehen soll, "so das eyn heer zum ändern nicht queme, noch des eyns heers herunge nicht schattean futer in den nachtle-gern". Oder es teilt sich das Heer erst in Feindesland. "Is nu des man an czwei enden will sprengen, so mus das heer sich teilen uf eyne velde Traplauken... das andere nachtleger kommen die beide heer czusammen czu Graschyn". W. 2 schreibt vor, wie es bei einer Dreiteilung des Heerees zu halten sei. "Czu Schawden - als man in


kompt, do sal sich das heer in drye teilen, eyn teil uff die rechte hant, das andere teil uff die linke hant... das dritte teil czüt gerichte vor sich... und mag vor sich heren und wedir uff des nachtlager czu-rucke czyhen". Die Möglichkeit eines ernstlichen Widerstandes fin­det sich in allen hundert Wegeberichten nicht gesetzt. Das traurige "heren" ist die ganze Waffentat, zu der man auszieht.
"Do ist gnug zu heeren", schreibt W. 1. "Do ist II mile zu herin ginuk", heißt es in W. 6 und ebendaselbst drei Meilen weiter, "czu heiin gnuck"" und drei Meilen weiter noch ein Mal "czu herin gnuck". W. 9 verspricht "HI mile vulle lant czu heerin gnuck". W. 35 sagt: "das ist alles besetczet lant" und "gut besatczet lant". W. 90: "do czwuschen allis schone gut rum lant wol besetzt". W. 100: "die sint alles in follen landen". In der Tat geben die Wegeberichte, wenigstens für die Gebiete Oberlitauens, wenn es auch hier nicht an verheerten Landschaften fehlt, so zahlreiche Namen von Dörfern, Höfen, Burgen und Städten an - feste Brücken führen über die Flüs­se, und reguläre Landstraßen durchziehen das Land - , daß wir den Eindruck gewinnen, als hätten wir in der Tat ein "gut besetczet lant" vor uns. Dort gibt es noch Gegenden, die keinen Feind gese­hen. In W. 84 verspricht Orban Russe von Johannisburg dem Kom­tur von Balga, das Heer in ein solches Gebiet zu führen: "und keyn herschilt ist in etlichen landen ny gewest". In Schamaiten sah es freilich zu der Zeit, da unsere Wegeberichte niedergeschrieben wurden, bereits übel genug aus. Jahraus, jahrein fielen die entvöl­kernden Züge von Kurland und Preußen über das Land. Schon stan­den hier ganze Landschaften verödet3. Das Kulturland wich in dem Maße zurück, als die Wildnis nach Osten wuchs. Auch da, wo es noch zu heeren gab, ist das Land nicht mehr wehrfähig. Die Bur­gen, die den Feind aufhalten sollen, werden nicht mehr besetzt. Mit Vorliebe geben die Leitsleute die Anweisung, bei den alten Burg­wällen zu lagern. "Do wirt das erste leger im lande Lakuste, do lyt, Burgwal", heißt es in W.22; "Das ander nachtlager komin die beide heer czusammen czu Graschyn bie dem Burgwalle". Der Burgwall Parsipil wird in mehreren Berichten genannt, "do das hus gelegen", fügt W. 17 hinzu. Die Litauer haben eingesehen, daß die schwachen Holzverschanzungen auf künstlich abgeschrägten Erdhügel gegen diesen Feind nicht zu halten sind. So bleibt denn nichts übrig als ei­lige Flucht in die Wälder oder in eine Fliehburg, eine Befestigung von größerem Umfange, in der das Volk im Falle der Not seine Ret­tung sucht. "Zu Karsow", heißt es in W. 25, "do findet man ein hüs,
do das lant alle czu flüget". Die W. unterscheiden Höfe, Dörfer, Städte, dazu Burgen. Die Höfe werden nach ihren Besitzern unter­schieden, den Bojaren, dem einflußreichen erblichen Stand der Freien. W. 10 erwähnt Gnetinhof, und W. 9 bezeichnet denselben Ort mit den Worten: "doczwischen wonet, Gnete", W. 8 nennt Cra-sien, "do Girstawt wonet". Zahlreich liegen die Höfe des Königs im oberen Litauen. So nennt W. 73 den Hof Thudeniskin, W. 79 Pon-näv, Allytten, Nampnaythen, Orte, welche noch heute existieren. Zahlreicher erscheinen noch die Dorfnamen. Th. Hirsch hat die in den W. genannten Ortschaften zu bestimmen versucht, doch dürfte nur die genaueste Kenntnis des Landes zur vollständigen Lösung dieser schwierigen Aufgabe zu führen imstande sein. Von den Dör­fern hören wir näheres; W. 37 tut des Dorfes Baptindorf Erwäh­nung und fügt hinzu: "in demselben Dorfe syn sechs gesinde", d. h. Gehöfte, ein Ausdruck, der heute noch in Livland in diesem Sinne gebräuchlich ist. Vom Dorfe Kebendorf hören wir ebendort, daß es fünf Gesinde enthält. Auch sonst noch wird die Anzahl der Wirte genannt, sie steigt nicht über acht. Wir haben uns demnach die li­tauischen Dörfer als klein zu denken. Aus W. 50 erfahren wir, daß das Dorf Bapten "eyn gros tor" hat. Von den Dörfern, die W. 37 er­wähnt, heißt es: "und iclich Dorf hat 2 toer". Vermutlich waren die Dörfer mit Graben und Bohlenwerk umgeben, wohl mehr zum Schutz gegen Räuber und Diebe, als um den Angriff einer feindli­chen Heerschar abzuwehren. Über die Anlage der Burgen, ihre Ver­teidigung und Belagerung sind wir in reicherer Weise durch Wi-gand und andere belehrt. Ein neues Material vermögen wir aus den W. über diesen Punkt nicht beizubringen; deshalb wollen wir nur bemerken, daß uns in den W. eine große Zahl von Burgen genannt wird, und wir so auch den Eindruck gewinnen, daß die Litauer den Verteidigungskampf gegen den Orden überall mit Ernst und Ge­schick geführt haben. Im Schutz der Burgen liegen die Ansiedlun­gen in größerer Anzahl, Komplexe von Gebäuden, die die Chroni­sten mit dem Namen von Städten bezeichnen, wenn es wohl auch keine Städte in unserm Sinne gewesen sein mögen. Auch unser W. erwähnen solche Städte. So berichtet W. 83 über die Gegend von Grodno, "und liet eyne sted und eyn hüs bie" und "von Dubitz ken Eykschischten eyne sted". Auch sonst sind die W. reich an man­cherlei geographischen Notizen. So erfahren wir in W. 97 von einer schamaitischen Ansiedlung in Oberlitauen; W. 82 und 92 erwähnen die Ansiedlung Schalwischer Leute, die als Gefangene nach Litauen geführt sind. "Will man auch czu den alten Schalwin, so czüt man von Draweniken in des kenigs Dorf Dwares" und "czu Skale-wo, do wonen auch die Schalwen, die czu Rangnith wurden gefan­gen", W. 90. In Schamaiten hören wir wieder von litauischen Kolo­nien (W. 3). Wir sehen so, daß der Brauch orientalischer Fürsten, die Bewohner der Landschaften zu versetzen, auch von den litau­ischen Großfürsten geübt wurde4
Die W. beginnen mit den Straßen, welche von der Memel, Win­denburg und Rossitten durch das untere Mingethal nach dem Ober­lauf dieses Flusses und nach dem Juragebiet ziehen. Es sind die W. 1,2,3,4. Von der Memelburg zieht nach W. l die Straße drei Mei­len nach Süden bis zum Mingeübergang durch offenes Feld. Von der Minge bis zur Swexte, einem Zufluß der Aschwa, welche sich in die Wiwirsche , einem Nebenfluß der Minge, ergießt, sind zwei Meilen. Bevor man die Swexte erreicht, kommt man an "eyi flis, daz mues man brücken". Dieses Flüßchen kann nur die Aschwa selbst sein. Da der W. weder der Aglone noch der Aisse und Wiwir­sche erwähnt, können die Leitsleute die Minge nur unterhalb der Mündung der Wiwirsche in die Minge bei Skarren passiert haben. Der Weg zog sich sodann am Nordrande des Islißebruches hin, um in östlicher Richtung weitergehend die Aschwa zu erreichen. Wie man über die Minge kam, ist aus dem W. nicht ersichtüch, viel­leicht trug dieselbe eine feste Brücke (?). Allerdings gelten die An­gaben der W. l, 3, 4 für Winterreisen, doch sprechen diese auch sonst von "brücken an etzlichen enden".
Mit derselben Route beschäftigt sich W. 3. Derselbe rechnet ebenfalls bis zur Minge drei Meilen, überschreitet diesen Fluß aber nördlich von der Wiwirschemündung. Nach einem Marsch von ei­ner Meile kommt man zur Aisse. Dann zieht man zwischen Aisse und Wiwirsche in nördlicher Richtung, um nach einem Marsch von zwei Meilen diesen Bach zu erreichen. Von der Wiwirsche führt der Weg nach der Swexte und von da nach der Jura.
Auch die von Süden kommenden Heereszüge bogen in das untere Mingethal ein. Von Rossitten fuhr man die Nehrung entlang bis zur Breite der Windenburger Ecke und nahm das Nachtlager in der Karwaitschen oder Brauschen Bucht5. Am zweiten Tage fuhr man quer über das Haff und lagerte die Nacht am litauischen Ufer. Das gilt für die Sommerreise; im Winter zieht man von Rossitten direkt auf die Mingemündung los. Dann geht es drei Meilen den Fluß auf-
wärts; das Land scheint schon damals wenig bewaldet gewesen zu sein, denn es heißt in W. 2: "do ist wenig czu rumen, wen es ist ru-me heyde". Von dem Übergang über die Minge schweigt auch W. 2, doch fand derselbe oberhalb der Wiwirschemündung statt 6
Ein zweiter Straßenzug führt von dem Rußstrome das Thal der Schiesche hinauf; das Ziel desselben ist die obere Jura. Es kommen an dieser Stelle W. 5 und 16 in Betracht. Den Ausgangspunkt für die Expeditionen gibt Rossitten. Wie in W. 2 ging man von Rossit­ten die Nehrung entlang, um das Haff in seinem nördlichen schmä­leren Teile, etwa von Nidden aus, zu durchqueren. Die Leitsleute halten von Nidden auf die Mündung der Pokalna, von hier geht's durch Rohr- und Weidendickicht eine Meile weit nach der Schie­schemündung7 . Das gilt für die Winterreise. Im Sommer fährt man in einem Tage bis zu jenem Punkte8. Als nächste Station von der Schieschemündung wird Mirgalyn oder Mirgla genannt, in einer Entfernung von drei bis vier Meilen. Der Weg dahin wird uns mit diesen Worten beschrieben: "do sint ITT weide, do mus man durch-rümen und ein cleyn bruch" (W. 5) und "do mus man rumen und brücken". Hirsch p. 667 Anm. 10 setzt die Mirgla zwischen Schie­sche und den Rußstrom, und zwar näher an den ersten Fluß, weil nach W.5 der Weg von Mirgla nach der oberen Schiesche einen Marsch von zwei Meilen erfordert. Ich sehe zu jener Annahme kei­ne Nötigung. Das Jodkranter Moor wie die tiefe Lage der Gegend nötigte die Höhe zu suchen; darauf weisen auch die drei Wälder, welche nach W. 5 zwischen der Schieschemündung und Mirgla lie­gen. Wenn wir annehmen, der Zug berührte die Schiesche zum zweitenmal etwa in der Nähe von Koadjuthen, so könnte Mirgla zwei Meilen südöstlich davon, etwa eine Meile südlich von der Confluenz der alten und neuen Schiesche liegen. Nun finden wir an der Weistzuck einen Ort Mägdewalde. Sprachlich steht der Ablei­tung des Namens Mirgla von "mergele", die Magd, das Mädchen, nichts im Wege, und es scheint nicht ganz unwahrscheinlich, daß hinter dem deutschen Namen sich unser Mirgalyn versteckt. Wir werden später finden, daß eine von Süden heranziehende Straße den Weistzuckfluß ganz in der Nähe überschreitet. An der oberen Schiesche breitet sich, schon südlich der alten Schiesche beginnend, ein beträchtliches Waldgebiet bis zur Bickla aus. W. 10 nennt dort einen Wald Weisebow. W. 16 spricht an der selben Stelle von ei­nem Grauden9 , "eynir mile lang". Ein dritter Straßenzug liegt wiederum südlich von der behandel-



Edited by Lutz Szemkus 2006-07-28 23:17
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